Interview – Gleichberechtigung in einer modernen Familie

Im August haben wir uns auf Gleichberechtigung konzentriert und einige Artikel zu diesem Thema veröffentlicht. Heute starten wir eine neue Reihe, in der wir mit Eltern über – ja, ihr habt richtig geraten – Gleichberechtigung in der Erziehung reden werden. Den Anfang machen Sarah und Jonathan Jackson, die gemeinsam eine erfolgreiche Architektur- und Designagentur namens WSDIA in Brooklyn, New York führen. Sie leben zusammen mit ihrem Sohn Asa Lu, der inzwischen 2,5 Jahre alt ist, in dem Stadtteil Bushwick. Wir haben ihnen ein paar Fragen zum Thema Gleichberechtigung gestellt. 

Was bedeutet Gleichberechtigung für euch?

(Jonathan) Für uns bedeutet Gleichberechtigung alles. Aus unserer jeweiligen Sicht, bei zum Beispiel dem Thema Frauen und Schwarze in den heutigen USA, haben wir mitbekommen, wie unfair unsere Gesellschaft und Kultur dank Stereotypen und tief verankerter Unterdrückung sein kann. Gleichberechtigung öffnet die Seele für Selbstbewusstsein, für eine Wahl, für Freude.

Hat das Elternsein eine Herausforderung im Bezug auf Gleichberechtigung für euch gestellt? Oder hat es etwas vereinfacht? 

(Sarah) Bevor wir Asa bekommen haben, waren wir beide gleichermaßen für Einkommen und Hausarbeiten verantwortlich. Als er dann da war und die biologische Notwendigkeit des Stillens während seiner ersten Monate Teil unseres Lebens wurde, veränderten sich unsere Rollen deutlich. Jonathan wurde derjenige, der hauptsächlich für unser Einkommen verantwortlich war, und ich war auf einmal viel öfter zu Hause. Es dauerte lange, bis wir diese riesigen Veränderungen akzeptierten – es war anfangs wirklich schwer, sich daran zu gewöhnen. Irgendwie wurde uns nach einiger Zeit klar, dass es so einfacher war unsere Rollen, Energie und unsere Einkünfte zu teilen. Jetzt, 2,5 Jahre später, fangen diese stereotypischen Rollen an abzuschwächen und die Gleichberechtigung kehrt zurück.

Habt ihr etwas über euch selbst oder über Gleichberechtigung gelernt, seit ihr euer Kind bekommen habt?

(Sarah) Ich dachte, dass ich die Gleichberechtigung in unserer Beziehung genau so beibehalten wollte, wie sie war bevor wir Kinder bekommen haben. Ich dachte, dass ich viel früher wieder arbeiten gehen würde. Aber ich habe gemerkt, dass ich Asa und die Zeit, die ich mit ihm verbracht habe, vermisste. Er wurde zu meiner absoluten Priorität und mein Job rückte in den Hintergrund. Ich dachte, dass die männlichen und weiblichen Rollen total gleichberechtigt wären oder es zumindest sein konnten. Jetzt bin ich mir da nicht mehr so sicher, zumindest nicht in meinem Fall und ich bin sehr zufrieden damit.

Habt ihr aktiv etwas für die Gleichberechtigung in eurer Beziehung unternommen seit ihr Kinder bekommen habt?

(Jonathan) Eine Sache, die wir tun ist, dass wir versuchen, uns um uns selbst zu kümmern. Wir nehmen uns Zeit für uns selbst, ohne den jeweils anderen und ohne Kind. Ohne schlechtes Gewissen! Und wir stellen sicher, dass wir beide zu unserem Zuhause und unserer Zukunft beitragen, und zwar auf eine ehrliche und bedeutungsvolle Art und Weise.

Habt ihr ein paar Tipps für zukünftige Eltern, sodass sie ein gleichberechtigtes und ausgeglichenes Familienleben führen können?

(Jonathan) Kommunikation. Redet miteinander über die Tatsache, dass sich eure Rollen sehr wahrscheinlich ändern werden – auch wenn es nur zeitweise ist – denn das kann hart und unangenehm sein. Setzt euch zwischendurch zusammen und schaut, wie es dem anderen geht: die Elternschaft ist definitiv ein Prozess und Anpassungen können und müssen gemacht werden!

(Sarah) Arbeitet an der Ausgeglichenheit zwischen euch beiden. Versteht, dass sich eure Rollen anders anfühlen werden, manchmal vielleicht sogar unfair, aber dass es am Ende trotzdem funktionieren wird. Wenn ihr miteinander redet, könnt ihr die Unterschiede ausgleichen. Seit ehrlich zu euch selbst über das, was euch wirklich glücklich macht, unabhängig von euren kulturellen und gesellschaftlichen Erwartungen.

Continue reading